[Buchgedanken] Jörg H. Trauboth: „Drei Brüder“

In den letzten Wochen habe ich im Rahmen einer Leserunde „Drei Brüder“ aus dem Verlag „ratio-books“ gelesen. Das Buch, eine Mischung aus Fiktion und Realität, ist als selbsternannter „Deutschland-Thriller“ wohl am ehesten dem Genre des Politthrillers zuzuordnen, einer Disziplin, die Tom Clancy mit seinen Romanen um Jack Ryan zu Weltruhm verhalf.41s8kjnzpal-_sx306_bo1204203200_

„Drei Brüder“ erzählt vor dem Hintergrund des IS-Terrorismus die Geschichte dreier Elitesoldaten des deutschen KSK. Unterlegt mit den jeweiligen politischen Entscheidungsprozessen folgt der Leser Marc Anderson und seinem Team nach Afghanistan, in den Irak und nach Algerien. Auch wenn die Handlung teilweise zu linear und vorhersehbar verläuft, ist sie dennoch spannend und lässt den Leser mit den Figuren mitfiebern und -leiden. Zudem gelingt es dem Autor, durch den Einbau kleinerer Nebenhandlungsstränge die einzelnen Protagonisten detaillierter und runder zu beschreiben.

Das Buch lebt von seiner Detailtiefe, die fast schon zu stark ausgeprägt ist. Aufgrund der Vergangenheit des Autors verfügt dieser über ein unglaubliches Detailwissen, das die Geschichte durchzieht aber teilweise den Lesefluss etwas ausbremst und die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit, zwischen Roman und Sachbuch verschwimmen lässt.

Zu Lasten des Leseflusses gehen leider auch die gehäuft auftretenden und teilweise gravierenden Fehler, die mich fassungslos den Kopf schütteln lassen haben. Klar können Rechtschreibfehler passieren. Klar kann auch mal ein Wort zu viel sein oder fehlen. Aber wenn dies gehäuft auftritt; ganze Textpassagen auf zwei aufeinanderfolgenden Seiten wiederholt werden, muss man daran zweifeln, dass der Verlag am Buch auch nur ein irgendwie geartetes Lektorat oder Korrektorat durchgeführt hat. Das ist das erste Mal, dass mir das in dieser Ausprägung bei einem Verlagsprodukt unterkommt.

Abgesehen davon sieht der Buchsatz gut aus und auch das Cover ist in Ordnung – lediglich der Klappentext auf der Rückseite ist aus meiner Sicht viel zu ausführlich und nimmt bereits große Teile der Handlung vorweg.

Mein Fazit? „Drei Brüder“ ist ein solider Politthriller, der gekonnt die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen lässt, mit seiner Detailtiefe punktet und ein aktuelles, hochbrisantes Thema beschreibt. Leider überdurchschnittlich fehlerbehaftet – für Genreliebhaber mit einer gewissen Fehlertoleranz jedoch bedenkenlos zu empfehlen.

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